Humor trotz(t) Demenz

Monika Rösner

Humor trotz(t) Demenz Humor in der Altenpflege

Kuratorium Deutsche Altershilfe, Köln 2007

ISBN 978-3-940054-02-9

69 Seiten

 

 

Im Gespräch ist die Pflege alter Menschen derzeit meist wegen ständiger Versorgungsdefizite und gelegentlicher Skandale. Ein Gegenargument ist die Studie, die Monika Rösner vorgelegt hat. Wenngleich sie sich auf eine Literaturanalyse beschränkt, wird deutlich, dass Altenpflege mehr zu sein scheint als das Dahinvegetierender, denen die Kraft für das Leben schwindet.

Wenn der Gerontopsychiater Rolf Dieter Hirsch in seinem Vorwort zurecht behauptet, dass Lachen ein Menschenrecht und auch ein Grundrecht sei, welches Teil der Basispflege sei, dann wird dem Leser schnell deutlich, was Rösners Arbeit erreichen soll. Hirsch ruft es in gleicher Weise in die Öffentlichkeit: In keinem Pflegeheim sollte dieses weiter vernachlässigt werden, auch wenn es nicht in der Charta der Rechte für hilfe-, und pflegebedürftige Menschen steht.

Bevor Rösner den aktuellen Stand der Forschung über den Humor in der Pflege reportiert, arbeitet sie gründlich die Demenz durch und schafft ein grundlegendes Wissen über den Humor (in der Pflege). Es wird bei der Lektüre von Rösners Arbeit ein grundlegender Konflikt offenbar, der sich während der Beschäftigung mit dem Humor in der Pflege stellt. Wenn Rösner es für notwendig erachtet, dass es immer auch einer Humoranamnese, einer Humorplanung und dann der Intervention mit entsprechender Evaluation bedarf, dann steigt der Verdacht auf, dass der Humor in der Pflege mechanistisch und als Methode verstanden wird. Vergessen wird in diesem Kontext die Frage, inwieweit die Nutzung des Humors in der Pflege mit persönlichen Grundhaltungen zu tun hat und aus sich heraus das Milieu sowie die Begegnungen mit Pflegebedürftigen und den Angehörigen verändern.

Ein solcher Eindruck verstärkt sich, wenn Rösner schreibt: Mit Patienten im Pflegealltag zu lachen oder zu scherzen gehört in der Pflegepraxis zum täglichen Bild. Jedoch hängt die Humoranwendung oft von der aktuellen Stimmung der Pflegekräfte ab. Pflege bedeutet in den Augen des Rezensenten immer eine Begegnung zweier Menschen, die von einer möglichst ausgeprägten Gegenseitigkeit bestimmt werden sollte. Müssen die Pflegebedürftigen deshalb genauso mit Humor versorgt werden wie sie mit Hilfsmitteln und Dienstleistungen versorgt werden?

Deshalb sind Äußerungen zu begrüßen, die Rösner im Kontext der aktuellen Literaturanalyse wagt. So findet sich dort mit dem Bezug auf eine Studie die Empfehlung, dass professionelle Pflegekräfte in der ambulanten Pflege den humorvollen Aussagen der Angehörigen mehr Beachtung schenken sollten, um herauszufinden, in welcher Weise die für den demenziell Erkrankten wichtige Pflege und Betreuung in der gewohnten Umgebung noch aufrechterhalten werden kann. Sollte sich der Humor von Angehörigen als zynisch oder sarkastisch innerhalb der Unterhaltung erweisen, ist dies nach den Forscherinnen ein Anzeichen dafür, dass die Pflege in der häuslichen Umgebung mit zu viel negativem Stress verbunden ist .

Marion Rösner hat eine Studie vorgelegt, die in der pflegerischen Fachwelt, insbesondere den Führungsstrukturen, Beachtung finden sollte. Die Lektüre sollte jedoch von einem kritischen Geist begleitet sein

Christoph Müller, Andernach


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