Führen mit Humor

Gerhard Schwarz

Führen mit Humor. Ein gruppendynamisches Erfolgsrezept.

Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden 2007

ISBN 978-3834944122

212 Seiten

 

 

Konfliktlösung durch humorvolle Aufklärung

Rezension von Alfred Kirchmayr (Wien)

 

In einem persönlichen Nachwort hat der Autor die Botschaft dieses anregungsreichen und lebhaft geschriebenen Buches auf den Punkt gebracht: Mich hat als Organisationsberater Humor stets begleitet und er stellt einen ich denke großen Teil meines Erfolges dar. Wenn etwas ernst genommen werden soll, muss man es lustig bringen, zumindest mit einem zwinkernden Auge. Wer ernst genommen werden will, muss auch über sich selbst lachen können. Gerade bei Konfliktinterventionen (einer meiner Schwerpunkte) macht die Entschärfung einer Krise durch Lachen oft erst den Weg für eine Lösung frei. Speziell in Gruppen ist die Steuerung des Gruppenprozesses über den Humor ein wenn nicht das Erfolgsrezept. (S. 201)

Und der große Lebensphilosoph Nestroy, ein besonderes Vorbild für Gerhard Schwarz, hat es genial gesagt: Der Ernst hat eine feierliche Seite, eine schauerliche Seite, eine großartige Seite, überhaupt viele Seiten, aber ein elektrisches Fleckerl hat er immer und da fahren bei gehöriger Reibung die Funken der Heiterkeit heraus. (S. 203) Schwarz ist von der These seines anregenden Philosophielehrers Erich Heintel in Wien bewegt
: Wenn du ernst genommen werden willst, musst du es heiter bringen.

Der Autor ist Dozent für Philosophie und Gruppendynamik, Kulturwissenschaftler und ein Pionier der Humorforschung und Humorpraxis. Er hat sich als Konfliktmanager, Organisationsberater und Trainer in renommierten Unternehmen im deutschen Sprachraum einen Namen gemacht. Schon 1961 verfasste er seine Dissertation zum Thema Humor und Agape . Heute ist das Thema Humor zwar vergleichsweise fast schon in , findet aber immer noch viel zu wenig Beachtung, insbesondere in allen Formen des Konfliktmanagements, also auch in der Psychotherapie, Mediation und Alltagspsychologie.

Allzu viele diesseitige und jenseitige Zeitgeistliche sind heute in tierischem Ernst verfangene Vertreter einer eher neurotischen und nicht einer erotischen Kultur des Denkens, Fühlens und Lebens. Denn der Zeitgeist schreitet mit wissenschaftlichem Pathos feierlich einher, lehr-haft, nicht leb-haft, und daher weithin humorlos.

In vier Abschnitten behandelt der Autor das Land des Komischen und des Lachens. Zuerst beleuchtet er die verschiedenen Arten und Wirkungen des Lachens und analysiert amüsant das Wesen des Komischen, das sich in Widersprüchlichkeit, Übertreibung, Verfremdung und in den Effekten der Überraschung und Aufklärung äußert.

In einem zweiten Schritt beleuchtet er die unterschiedlichen Formen des Komischen, nämlich Ironie, Spott, Satire, Parodie, Sarkasmus und Zynismus. Ausführlich geht er dann auf den Humor im engeren Sinn ein, auf seinen heiteren, wohlwollenden und zugleich ernsten Realitätsbezug, seine Relativierungskraft und seine große Bedeutung für die Führungspraxis.

Das dritte Kapitel behandelt praxisnah und beispielsreich die Bedeutung des Humors als Führungs- und Interventionsinstrument in Hierarchien und Gruppen, in Mediation, Konfliktmanagement und Organisationsberatung. Unter dem Titel Humor-Training (S. 144-158) informiert er über konkrete Strategien, Techniken und Taktiken für die Anwendung und Förderung von Humor und einer humorvollen Grundeinstellung.

Abschließend macht er im vierten Kapitel einen anregenden kulturwissenschaftlichen Ausflug in die Welt der Mythologie, der Religionen und der Weltliteratur. Immer wieder kommt angesichts der großen und kleinen Probleme des Lebens die Bedeutung von Humor zur Sprache. Humor relativiert jegliche Absolutsetzung in Wissenschaft und Religion, fördert die Entfaltung von Humanität, Konflikt- und Friedensfähigkeit, Demokratiefähigkeit und Lebenskunst. Jede Form von Fundamentalismus macht zutiefst humorlos und unmenschlich in seinen Auswirkungen. Die Aufklärung wird von befreiendem Lachen begleitet und führt zur Bewusstseinserweiterung und Bewusstseinserheiterung.

Der doppelte Dozent Gerhard Schwarz ist Experte, aber er ist im Unterschied zu so manchen Akademikern überhaupt nicht expertinent ! Seine humorvolle Art, mit Konflikten umzugehen, atmet den Geist wirklicher und wirksamer Lebenskunst und Lebensphilosophie.
Den Genuss und die Anregungen dieses Buches gönne ich vor allem Pädagogen, Beratern und Therapeuten sowie allen Führungskräften. Dieses gescheite Buch ist nämlich ebenso informativ und aufklärend wie erheiternd. Und es ermutigt dazu, die Konflikte des Lebens kreativ und somit humorvoll in Angriff zu nehmen.


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