Das Lachen der Erlösten

Thomas Holtbernd

Macht Glauben glücklich?

Echter-Verlag, Würzburg 2010

ISBN 978-3-429-03291-3

155 Seiten

 

 

Was soll denn die Frage, ob Glauben glücklich macht? Mit diesem grossen Fragezeichen im Hinterkopf ein Buch in die Hand zu nehmen, bedeutet eine grosse Aufgabe. Denn wer sich mit einer Glaubensüberzeugung einverstanden erklärt, für den ist es keine Frage. Denn Glaube hat im allgemeinen Lebensgefühl immer etwas mit Freude und Zufriedenheit zu tun.

Der Theologe und Psychologe Thomas Holtbernd hat es trotzdem vermocht, den skeptischen Leser in seinen Bann zu ziehen. Einerseits ist es die heitere Art und Weise nachzudenken, die den Leser bewegt. Andererseits ist es die sehr ernste und wissenschaftliche Betrachtungsweise, die ein Buch nicht zum Klamauk verkommen lässt. Im Anschluss an die ernsthafte Betrachtung einer Glücksfrage schliesst Holtbernd nicht nur mit einem griffigen Kernsatz. Es sind die heiteren Glückskekse , die der Leser mit auf den eigenen Weg nehmen kann.

So wird in dem Kapitel Ein fester Glaube verlangt Feiern und rauschende Feste thematisiert, wie Feiern, Feste und Freude sich glaubend mit dem Glück verbinden . So beschreibt Holtbernd, durch das Fasten, das es wohl in allen Religionen gibt, lernen die Glaubenden, sich durch Entwöhnung auf den wahren Genuss vorzubereiten . In diesem Kontext definiert er Exerzitien (geistliche Übungen) als eine Einübung in das Glück. Glück lässt sich nicht antrainieren. Die Haltung muss geübt werden und das findet vor allem im Kopf statt. Dies bedeutet dann auch, dass Feiern von Glaubenden sich durch das Glück einer grossen Unbeschwertheit auszeichnen, es wird nicht kritisch hinterfragt, es wird nur gefragt, wer mitfeiern will.

Seine unkonventionelle Sichtweise wird auch deutlich, wenn er den Eros als Rufnummer zum Glück beschreibt. Mit dem Blick auf das alttestamentliche Hohelied der Liebe geht er in der Formulierung sogar so weit, dass er schreibt: Es wird zwar jede Schweinerei gemacht, doch durch die erotische Sprache bleibt es immer eine Intimität. Und er kommt zu der Schlussfolgerung, sakrale Sprache wolle Glück nicht begreifen, sondern den Klang des Paradieses wiedergeben, auch wenn es manchmal nur leise und kakophone Töne seien.

Entgegen früherer Veröffentlichungen hat Holtbernd in seinem Glücksbuch weniger mit Witz, Humor und Komik, sondern mit Heiterkeit und Gelassenheit gearbeitet. Wer dies als einen Entwicklungsschritt im Schaffen des Autoren wahrnimmt, der wird erkennen, dass er ein immer ernstzunehmender Schreiber wird. Er macht nicht nur in Humor, er lebt ihn.


Christoph Müller


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