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Lino Wirag: Platzen vor Lachen – Komik und Kinderbuch
Autumnus-Verlag, Berlin 2009

ISBN 978-3-938531-30-3
52 Seiten, Euro.


An Kinderbüchern soll man seine Freude haben. Wenn man die theoretischen Auseinandersetzungen zu Komik und Kinderbuch liest, vergeht einem die Freude daran natürlich. Mit Lino Wirags kleinem Büchlein „Platzen vor Lachen“ ist es nicht so. Denn der Autor vermag es, selber kreativ genug zu sein, ohne die Ernsthaftigkeit bei der theoretischen Auseinandersetzung vermissen zu lassen. Die menschliche Hand ist seine Orientierungshilfe, um den Sinn von guten Kinderbüchern zu erklären. So steht für ihn der Mittelfinger für Rebellion und Widerstand, der Zeigefinger für die „systematische Darstellung der komischen Zusammenhänge im Kinderbuch“.

So arbeitet sich Lino Wirag an Büchern wie dem „Sams“, der „kleinen Raupe Nimmersatt“ oder „Jim Knopf“ ab. Und er konstatiert: „Die Komik des modernen Kinderbuchs lässt erwachsene Normen bewusst von den Protagonisten der Kinder-und Jugendliteratur torpedieren. Jedes Kinderbuch bietet so einen Ausbruch aus der Erwachsenenwelt an.“ Argumentativ weiter geht er, wenn er bei der „Komik der Befreiung“ davon spricht, sie opponiere gegen gesellschaftliche Regeln und helfe dem Kind, „sich selbständig und selbstwirksam zu entfalten“.

Mit dem Blick auf die Erwachsenenwelt schreibt Lino Wirag: „Auch bei Erwachsenen ist Komik häufig eine Frage der Drastik, denn auch sie müssen sich oft gegen eine restriktive Umwelt oder Gesellschaft zur Wehr setzen … Erwachsene feiern ganz ähnliche Gegenfeste, wenn sie gegen bürgerliche und soziale Normen verstossen dürfen. Humor wird bei ihnen vor allem mit Erotik und Gewalt verknüpft, zwei tiefsitzenden Feldern des Normenverstosses – man denke an die Unzahl rassistischer und schlüpfriger Witze …“

Insofern macht die Lektüre des Bändchens „Platzen vor Lachen“ Appetit auf viele Kinderbücher, in denen man nach den Spuren von Witz und Komik suchen kann.

Christoph Müller