Sie sind hier: Startseite » OnlineTagung 2021

Prof.DDr.Rolf Hirsch

Prof. Dr. phil. Dr. med. Dipl.-Psych. Rolf Dieter Hirsch ist Arzt für Nervenheilkunde, psychotherapeutische Medizin, Psychoanalytiker und Gerontologe. Er war Chefarzt der Abteilung für Gerontopsychiatrie und psychotherapie und des Gerontopsychiatrischen Zentrums der LVR-Klinik Bonn, seither in Privatpraxis (Psychiatrie/Psychotherapie-Geriatrie) und an der Universität Erlangen-Nürnberg am Institut für Psychogerontologie. Er ist Präsident der Deutschen Akademie für Gerontopsychiatrie und psychotherapie und Sprecher von Handeln statt Misshandeln-Forum Altern ohne Gewalt . Seine Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte:  Heiterkeit und Humor im Alter; Aggression, Gewalt. Misshandlung und Diskriminierung im Alter; ethische und Versorgungs-Aspekte der Gerontopsychiatrie; Suizidalität im Alter, Demenz u. Depression, Alternspsychotherapie.


www.hirsch-bornheim.de



Humor eine Ressource bis ins hohe Alter


Rolf D. Hirsch - Bonn


Ressourcen zu erwerben, zu behalten und anzuwenden ist eine lebenslange Aufgabe um das Leben selbstbestimmt und in Krisen kreativ bewältigen zu können. Dies gilt auch für den Humor, der als eine heitere und kreative Ressource in fast jeder Lebenslage eingesetzt werden kann.


Eine Vielzahl von Humor-Ressourcen können erworben, gefestigt und angewendet werden wie emotionale, motivationale, willentliche, interpersonale und soziale. Unterstützt werden diese durch entsprechende äußere Hilfsmittel, Umweltgestaltung und weitere humorfördernde Reize. Humor-Ressourcen können von der Wiege bis zur Bahre erworben und angewendet werden. Allerdings muss sich schon jeder selbst darum bemühen, sie zu erwerben, da dies -ähnlich wie beim Lachen- kein anderer übernehmen kann. Je früher diese Chance zu einem heiteren, optimistischen und interessanten Leben ergriffen wird, desto gelassener kann man Lebenskrisen und -chancen bewältigen und getrost Altern. Es ist nie zu spät. Es wird nur immer später . Humorressourcen lassen sich in gewissem Umfang in jedem Lebensalter erwerben, verstärken oder rehabilitieren. Allerdings werden die Möglichkeiten mit zunehmendem Lebensalter geringer, spezifischer und bedürfen z.T. der Unterstützung.


Oft ist zu hören ja als Kind war ich fröhlich und heiter, aber jetzt oder mir ist der Humor vergangen . Leider versteckt sich im Laufe des Lebens die kindliche, unbeschwerte und phantasievolle Fähigkeit immer mehr und verhindert, kreative Lösungen zu suchen und Selbstvertrauen zu erhalten. In den Sozialisationsstationen wie Schule und Beruf wird dem Humor noch zu wenig Entwicklungsmöglichkeiten eingeräumt. Auch in der Familie wird Leistungsdenken, Gehorsam und was können die Nachbarn sagen mehr gewichtet als Spiel, Kreativität, Neugierde und Fröhlichkeit. Eine erlernbare Kunst ist es, in Situationen die Perspektive (heiter-ernst; bedrohlich- komisch) zu wechseln, sie umzudrehen oder als Kipp-Bild zu sehen.


Manch alter Mensch ist immer schon negativ und pessimistisch eingestellt, fühlt sich vom Leben vernachlässigt und kann sich an nichts mehr freuen. Häufig stehen Perfektionismus, Arroganz, Selbstüberschätzung, keine Fehler machen zu dürfen und ja nicht auffallen einer kreativen Lösung im Weg. Kinder reagieren meist anders. Sie kichern und lachen, oft ohne Grund, freuen sich über eigene kleinere Missgeschicke und die von anderen. Sie nehmen sie nicht so tragisch und lösen sie auf spielerische Weise. Viele von ihnen sind Meister in der Kunst des Scheiterns und Wiederaufstehens. Erwachsene können von ihnen lernen und ihre Humorressourcen stärken.


Humorressourcen bei alten Menschen zu fördern, heißt infantile Gefühle zu wec­ken und zu mobilisieren, das "verlorene Kinderlachen" wieder zu finden oder neu zu entdecken. Eine Vielzahl von Humor- Requisiten (z.B. heitere Sendungen oder kulturelle Veranstaltungen, Witz- und Anekdotenbücher, Spiele, Singen und Tanzen) unterstützen dies. Stephanie Krenn und Konrad Pfaff ist zuzustimmen, wenn sie schreiben: Lachenlustfreudespaßwitzkomik ist die wichtigste Aktiv-form deines Lebens . Nützen und fördern wir diese Chance und stecken möglichst viele an, in jedem Lebensalter und in allen Lebenslagen.