Wie begann deine künstlerische Arbeit? Wir waren eine Familie mit sechs Kindern, da war es unmöglich, dass alle gleichzeitig redeten. Wenn der Vater am Mittagstisch die Nachrichten von Radio Beromünster hören wollte, so hatten alle ruhig zu sein. So verständigten wir Kinder uns mit Händen und Füssen, mit Grimassen und vielsagenden Augenblicken. Vermutlich hat diese Notdurft meine Liebe zur Pantomime, die Muttersprache des Clowns, in mir geweckt. Die nötige Komik und die Lust, die andern zum Lachen zu bringen, entdeckte ich, kaum drei Käse hoch, alsdann beim weihnächtlichen Krippenspiel im Chor der calvinistisch-protestantischen Kirche, wo ich einen Hirten - in einen selbst gebastelten, umfunktionierten Jute-Zuckersack aus der Konditorei meines Onkels als Kostüm gekleidet – mimen durfte. Der kleine Zibobeli, so mein elterlicher Kosename, hatte der heiligen Familie im Stall zwei Sätze zu überbringen, die ich jedoch in der kindlichen Aufregung verwechselte, was bei der aufmerksamen Gemeinde in der andächtigen Kirche ein Schmunzeln und zum Teil gar ein prustendes Lachen auslöste. Obwohl im Moment beschämt, hatte ich insgeheim, für den weiteren Lauf durchs Dickicht des Lebens, eine wundersame, gewaltfreie Waffe entdeckt, die ich sorgsam bewahre und täglich neu aufpoliere. Dieses heitere Lachen von damals leuchtet mir noch heute, wie ehemals der Stern zu Bethlehem. Allerdings ohne Jacques Lecoq, meinem grosser Lehrmeister und Begründer der „Ecole mime, mouvement, théâtre“ in Paris, hätte ich den Wegweiser zum Circus und die Straße der Clowns kaum gefunden.
Wie aren deine professionellen Highlights? Meine erste Tournee führte mich null Meter über Meer, an die Côte d`Azur in Südfrankreich. „Le plus petit cirque du monde“ lud die Fe-riengäste mit Saxophon und Pauke ein, unter den freien Himmel zu Hochseilattraktionen, Musik und den Ohrfeigen der Clowns. Damals leuchteten die Lichterketten in den Strandkaffees noch heller als die Girlanden der Spaßmacher. Trotzdem, ein Highlight - noch mit dem Glanz der Amateure. Die Münzen klimperten in den Hut, ermöglichten das Auftanken für die Weiterfahrt zum nächsten „Vorhang auf! Das Spiel beginnt!“ Das nötige Glück stand mir als „Dummer August“ oft zur Seite. Ich begegnete Jango Edwards, arbeitete mit Pic und durfte unter der Regie von Emil Steinberger die Manege des Circus Roncalli bespielen. So macht die Profession viel Spaß. Der Deutsche Kleinkunstpreis hat mir märchenhafte Türen geöffnet. Und trotzdem, das Zittern vor jedem Auftritt ist mir bis heute erhalten geblieben.
Was bedeutet für dich die Figur des Clowns? Den Dummen August zu spielen, ist gut für die Gesundheit, niemand scheltet einen, im Gegenteil, alle klatschen Beifall!“ Dieser Satz von Federico Fellini gefällt mir. Jeder Mensch trägt einen Clown in sich, dieses vielfarbige, bunte Wesen – kindlich verspielt, chaotisch und frech, simpel und naiv, sich vertrauend und offen nach vorne schauend „Der Clown darf weder zu weit weg, noch zu nah an der Erde wohnen. Der richtige Ort ist ein kleiner Hügel, hoch genug, um die Dinge aus der Distanz wahrnehmen zu können, doch nicht zu hoch, dass er sie aus dem Blick verliert. (Giovanni Mosca). Der Clown ist ein Bremser in der heutigen schnelllebigen Zeit.
Wann kam dein Entschluss therapeutisch zu wirken? Ich bin vor 6 Jahren vom Bühnenboden in die RehaClinic Zurzach hinein gerutscht. Ich treffe dort immer wieder auf wunderbare, mich berührende Alltags-Clowns und bin glücklich, dass ich in dieser Gesundheitseinrichtung offene Türen und Menschen erleben darf. Den Skeptikern begegne ich respektvoll mit dem Schmiermittel Humor – der Sprache des Clowns. Ich bin jeden Mittwoch, von 6h45 bis 17h in der Klinik anzutreffen und „arbeite“ dort mit den MitarbeiterInnen, den PatientInnen und habe die Möglichkeit die öffentlichen Räume mit Bildern und Installationen sanft zu verändern. Zusätzlich bin ich in ein interdisziplinäres Schmerzprogramm (ZISP) eingebunden, in dem ich 6 PatientInnen jeweils 4 mal 1,5 Stunden innerhalb eines Monats mit Humor therapeutisch „behandle“. Diese Stunden „Mit Humor ein Fenster öffnen“ haben eine positive Auswirkung auf den Rehabilitationsverlauf – festgefahrene Kognitionen können eine markante Veränderung erfahren. Der salutogenetische Ansatz ist für Schmerzpatienten erlern- und anwendbar.
Was sind die Ergebnisse deiner Arbeit? Die Arbeit ist vorerst für mich sehr befriedigend. Mein Spiel auf der Bühne wurde echter und ausdrucksstärker. Ich bin meinem Clown ein gutes Stück näher gekommen. Die RehaClinic hat ein verbindliches Humor-Konzept und eine Humor-Gruppe tagt regelmäßig und berät Humor-Aktionen für das Personal und die PatientInnen. Die Betriebskultur soll durch Humorinterventionen bewusst gefördert werden. Dies alles erfordert einen langen Atem. Eine Evaluation des Humor-Projektes vor 3 Jahre unter den MitarbeiterInnen hat ergeben, dass das Humor-Projekt bei der RehaClinic eine breite Unterstützung findet, die MitarbeiterInnen aber nur wenig interessiert sind, sich selber an den Aktionen zu beteiligen, oder gar eine eigene Initiative zu starten. Der Clown wird es schon richten. Und, das mache ich gerne.
Warum hast du einen internationalen Kongress in Zurzach organisisert?
Nun, ich treffe mich gerne mit Menschen, mag die Netzwerkidee. Das Virus für mein Interesse am therapeutischen Humor und letztlich auch für den Kongress in Bad Zurzach, hat mir mein Freund, Dr. Michael Titze aus Tuttlingen, übertragen. Er, der Begründer der Humor-Kongresse, gemeinsam mit Dr. Peter Hain, hat mich 1999, anlässlich des Humor-Kongresses in Basel mit offenen Armen empfangen. Nun möchte ich dem therapeutischen Humor in Bad Zurzach eine Heimat geben. Der heimelige Ort am Rhein bietet strukturell und organisatorisch beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Humor-Kongress, der im Zweijahres-Rhythmus stattfinden soll. Als Veranstalterin zeichnet die Reha-Clinic Zurzach. Merken Sie sich bereits das Datum in Ihrem Kalender vor: 22. – 24. September 2006. Kongress-Administration: Annemarie Baumann, +41 56 269 54 12. Pressestelle und Marketing: Judith Meier, +41 56 269 54 88
Was wird uns dieser Kongress bieten?
HumorArt HumorCare HumorScience Das Programm und sein Inhalt sind im Moment am Wachsen. Erfahrene und anerkannte ReferentInnen aus dem klinischen, psychosozialen und pädagogischen Arbeitsumfeld geben in Vorträgen und Workshops, Podien und Interviews einen Einblick in ihr Denken, Fühlen und Handeln mit Humor in ihrer alltäglichen Tätigkeit. Prof. W. Ruch von der Universität Zürich berichtet mit seinem Team von den neusten Erkenntnissen aus der Humorforschung. Prof. A. Aeschlimann, Chefarzt und Initiant des Humorprojektes bei RehaClinic Zurzach, stellt den therapeutischen Humor in einen Gesamtzusammenhang der kognitiven Therapien. Iren Bischofberger, Dr. Peter Hain, Dr. Michael Titze, aber auch viele neue Gesichter, bringen praxisorientierte Impulse zu den KongressteilnehmerInnen. Marcel Briand, Klinik-Clown und Psychiatriepfleger vereint die so genannten Clown-Doktoren. Der Schriftsteller Klaus Merz und der Philosoph Hans Saner tauchen in einer Podiumsdiskussion in die tieferen Gefilde des Humors. Das Humor Bad Zurzach freut sich auf IhreTeilnahme – HUMOR GEWINNT.
E-mail: pello@freesurf.ch www.pello.ch / www.humor.ch
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