Humor ist wenn man trotzdem lacht

Ein Besuch bei Ludwig Lamprecht
einem Humor- und Delfinforscher
Bericht von Miriam Titze

Zum Interview lädt mich Ludwig Lambrecht in seine Wohnung in München ein. Er empfängt mich gutgelaunt. „Willkommen in meinen kleinen Rückzugsparadies. Hier bin ich vor allem zum Arbeiten und um mich mit meinen Kollegen zu treffen“, erklärt er, während ich ihm ins Wohnzimmer folge. Bunt, voll und leicht chaotisch sammeln sich in Schränken und Regalen Bücher, Skripte, CDs, bunte Bilder und vieles mehr. Im Laufe unseres späteren Gespräches wird mir bewusst, wie sehr diese bunte Fülle sein Leben widerspiegelt: Die Bücher und Skripte, die CDs und farbenfrohen Bilder sowie die unzähligen Delfinfiguren, die über die Schränke bis hin auf den Balkon verstreut sind, stammen alle aus zentralen Lebensbereichen von Lambrecht. Humor, Delfine, Musik und Afrika: Auf den ersten Blick scheinen sie nicht wirklich viel gemeinsam zu haben. Doch Lambrecht belehrt mich eines besseren; in seinem Leben gehören sie untrennbar zusammen: „Den Humor habe ich schon während meines Studiums für mich entdeckt. Meine Leidenschaft für die Delfine entstand vor ungefähr zehn Jahren als ich nach einem schweren Unfall mit einem Schädeltrauma nach alternativen Heilmethoden sucht und die Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben“.

Das Thema Humor prägt mittlerweile seit mehr als 30 Jahren das Schaffen Lambrechts: „Ich glaube der Grundstein für diese Affinität ist familiär begründet. Meine Großmutter hatte ein sehr humorvolles Naturell und machte noch im hohen Alter Witze“, resümiert er. Dem Humor auf wissenschaftlicher Ebene sei er dann im Pädagogikstudium begegnet. Um sich sein Studium zu finanzieren habe er Skripte für seine Professoren geschrieben, darunter die Humorexperten Helmut Zöpfl (Pädagogik-Professor) und Rudi Seitz, dem Begründer der „Schule der Phantasie“ und Wiederbeleber des „Trottelklubs“.

„Mir war ziemlich schnell klar, dass eine Karriere als Lehrer für mich nicht in Frage kommt. Stattdessen engagierte ich mich in anderen Bereichen: Ich war Mitglied im Trottelklub, habe zusammen mit anderen den Skriptverkauf zu einem Ökobuchladen ausgebaut und außerdem praktische Humorseminare an der Volkshochschule gegeben“, berichtet Lambrecht.

„Die Ökoszene der siebziger Jahre war eher ernst und stur – das positive Grund-gefühl schien verloren gegangen zu sein. Zöpfls Aufsatz‚ Humor und Freude in der Erziehung’ bot uns aus damaliger Sicht genau den richtigen Ansatz, um den Humor in dieser ernsten Zeit auf wissenschaftlicher Ebene den Menschen näher zu bringen. Neben praktischen Humorkursen wie ‚Humor ist, wenn man trotzdem lacht’, haben wir auch alternative theoretische Seminare wie ‚Der panaromatische Donnergurgler’ entwickelt“, beschreibt Lambrecht die Anfänge seines humoristischen Wirkens. In der Folge hat er diese durch die Konzeptionalisierung zahlreicher weiterer Seminare sowie einer Reihe von Projekten wie dem Humorakel-Projekt oder die Mitbegründung subversiver Vereinigungen wie „Die Eigenblöder“ ausgeweitet.

Neben dem Humor sind es die Delfine, die Lambrecht so faszinieren: „Ich hatte im Laufe der Jahre eine ganze Schublade zum Thema ‚Humor und Heilung durch Delfine’ gesammelt. Daran habe ich mich nach meinem Unfall erinnert“, erzählt er. In der Hoffnung die körperlichen Beschwerden des Unfalls loszuwerden, habe er sich entschlossen nach Israel zu fahren, um dort mit Delfinen zu schwimmen. „Delfine haben eine positive Wirkung auf die Menschen. Zum einen ist es ihnen mithilfe eines tiereigenen Radars möglich, andere Lebewesen regelrecht zu scannen. Das spürt der Mensch und es kann eine lösende Wirkung auf ihn haben. Zum anderen wecken sie durch ihren Spieltrieb und ihr fröhliches Verhalten die positiven Lebensgeister und bringen einen zum Lachen“, berichte Lambrecht. Für ihn lag es nahe, seine Arbeiten im Bereich des Humors mit seinen Delfin-Erfahrungen zu verknüpfen: „Gerade im therapeutischen Bereich, speziell mit Kindern, konnten sehr gute Resultate in der Arbeit mit den Delfinen erzielt werden“. Die offene Art dieser Tiere sowie ihre Begabung, die Stimmungen anderer Lebewesen zu erfassen und auf diese zu reagieren, seien es, was die Delfine zu exzellenten „Humortherapeuten“ mache, fügt Lambrecht hinzu. Mittlerweile organisiert er regelmäßig Seminare und Segeltörns zur therapeutischen Begegnung mit freilebenden Delfinen.

Seine Arbeit mit Delfinen konnte Lambrecht auch für ein weiteres aktuelles Projekt nutzen: Gerade erst hat er die dritte CD mit afrikanischen Kindergeschichten herausgebracht: „Unter dem Titel ’Taling Taling – eine geheimnisvolle Reise in Afrika’ haben der afrikanische Geschichtenerzähler Tormenta Jobareth und ich eine humorvolle CD für Kinder zusammengestellt. Die Delfine boten uns dafür den passenden Erzähl-Rahmen – die CD beschreibt die Reise einer Gruppe von Delfinen“, erzählt Lambrecht. Sein Interesse für die afrikanische Kultur spiegelt sich des weiteren in seinem Engagement für die afrikanische Umweltorganisation „Green-Belt-Movement“ wider: „Mein Ziel ist, durch den Humor und die Kunst Kulturbrücken zwischen Europa und Afrika zu schlagen. Deshalb arbeite ich eng mit Wangari Maathai, der Gründerin dieser Organisation, zusammen. Sie hat für ihr Engagement 2004 den Friedensnobelpreis erhalten“, berichtet Lambrecht nicht ohne Stolz.

Humor, Delfine, soziales Engagement – während unseres Gesprächs bin ich immer wieder verblüfft, wie vielseitig Lambrechts Projekte sind und wie sehr er sie miteinander zu einem runden Ganzen verbindet. „Die Basis ist ein fester Glaube an das Positive“, erklärt er mir. „Man muss den Dingen, auch wenn sie zuerst negativ erscheinen, immer einen Sinn geben. Der Humor hilft dabei, denn das wichtigste Kriterium ist die Herzlichkeit. Deshalb gehört der Dalai Lama mit seiner lebensbejahenden Lehre für mich auch zu den humorvollsten Menschen überhaupt“, fügt er hinzu.

Tel./ Fax 089-953617
www.humorakel.de


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