Lach-Yoga ganz im Ernst

Interview mit Christoph Emmelmann
1. Vorsitzender von HCD

Lach-Yoga klingt wie eine lustige Idee.
Meinen Sie das ernst?

Gute Frage. Lach-Yoga regelmäßig gemacht steht für nachhaltige pure Freude. Alles, womit man im Leben etwas bewirken will, sollte man mit einer gewissen Ernsthaftigkeit sehen, mit einer gewissen Konsequenz. Ein Beispiel: Wenn ich heute zehn Kilometer laufen will und trainiere das nicht, dann kann ich es nicht. Wenn ich aber mit 500 Metern anfange und das in kleinen Schritten jeden Tag ausbaue, dann kommt irgendwann die Phase der Freude. Ich merke, es tut mir gut und ich kann dann die zehn Kilometer laufen.

Bei Menschen, die sich für Lach-Yoga begeistern oder wieder mehr lachen wollen,
funktioniert das genauso. Sie fangen mit kleinen Schritten an, entdecken die Freude und das Wohlbefinden von Körper, Geist und Seele und kommen dann regelmäßig wieder, bis es ein Teil von ihnen geworden ist. Das Schöne dabei ist, bei Lach-Yoga ist es nicht so langwierig. Ich komme da sofort in die Freude, meistens schon in der ersten Übungsstunde, und das auch bei Menschen, bei denen das oft seit Jahrzehnten verschüttet war. Lach-Yoga ist nicht unbedingt nur etwas zum Lachen, es schafft auch soziale Kontakte. Das ist nicht nur so ein Trend, das spürt man im Körper, das befreit den Geist, denn wenn ich lache, denke ich nicht und das tut der Seele gut.

Wer belegt Lach-Kurse bei Ihnen?
Vom Rentner bis zur Führungskraft und vom 20- zum 80-Jährigen ist alles dabei. Gesunde wie auch Patienten. In einer Reha- Klinik arbeite ich mit Herz- und Kreislaufpatienten, mit psychosomatischen und krebskranken Patienten.

Im Unternehmensbereich biete ich das Seminar „Management by Freude“ an, was wachsendes Interesse findet. Durch die Erfahrung und Rückkoppelung mit hunderten von Teilnehmern habe ich das Seminar „ Lebe dein Lachen „ entwickelt, das die Lachtherapie sehr effektiv unterstützt. Auch gibt es immer mehr Teilnehmer aus verschiedenen Berufsbereichen, die die Themen Lachen, Humor und Lach-Yoga aufgreifen, um sie in ihre Arbeit zu integrieren. Hierzu biete ich in der Lachschule zwei Ausbildungsseminare an. Kurzum, das Interesse der Menschen an dieser Thematik steigt.

Kommen Sie beim Lach-Yoga ohne Witze-Erzählen aus?
Ja, absolut. Das sind spielerische, pantomimische oder Klatschübungen, teilweise abgeleitet vom Hatha-Yoga, aber auch Elemente aus Clownerie und Improvisationstheater, die sehr stark zum Lachen anregen. Lachen steckt an, und in einer Gruppe mit 10 bis 15 Personen bekommt das eine sehr starke Eigendynamik. Da werden auch Gehemmte ganz locker integriert. Weil jeder so gelassen wird, wie er ist, nicht „perfekt„ sein muss und sich in der Folge wohl fühlt und aus sich heraus gehen kann.

Haben Sie keine Angst davor, dass Sie mal 10 Menschen bei einer Lach-Yoga Stunde versammelt haben könnten, und keiner von denen schafft es, laut zu lachen?
Das ist noch nie passiert und wird nie passieren. Wenn jemand von sich sagt, dass er “ nichts mehr zu lachen hat im Leben“, und er meldet sich hier an, dann wird er lachen. Als Kinder haben wir alle grundlos lachen können, da haben wir keinen Grund gebraucht, sondern einfach losgelacht, und wenn wir im Kurs miteinander loslachen, dann wecken wir un-ser unendliches Lach-potenzial wieder. Schauen Sie sich doch die Asiaten an: Und wenn die Lebens-situation noch so schwierig ist, die haben immer ein Lächeln auf den Lippen. Vielen Menschen bei uns ist das verloren gegangen. Wenn Sie das üben wie eine Sprache, wird es irgendwann wieder ein Teil von Ihnen. Wir müssen es nur wecken und trainieren.


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