Das Lachventil, unser Schutz

Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Dschungel, General de Gaulle braust auf einem Velosolex herbei, grüßt militärisch und rauscht weiter. Beim Nachblicken werden Sie sich eines an einen Urwaldriesen gelehnten lächelnden Gorillas gewahr, der sagt: «A-Quadrat plus B-Quadrat gleich C-Quadrat.» Dann kommen Tarzan und Jane herab geschwungen, und Jane fragt, ob Sie Lust auf ein Glas Süßmost haben. Sie antworten: «Es ist halb vier, ich muss bald meine Turnschuhe polieren.» Der Gorilla entschuldigt sich: «Die Architektenprüfung wartet» und schwingt sich davon. Tarzan rückt die Leopardenfellhose zurecht und schreit: «Wer nichts wird, wird Wirt». Wenn Sie so etwas träumen, geht es Ihnen gut. Schräge Trauminhalte deuten Ihre direkte Verbindung zum Absurden an, und dieses ist die Basis unserer Existenz. Die Physik sagt, dass das Universum einmal Milliarden Mal Milliarden Mal kleiner als der Kopf einer Stecknadel gewesen sei. Unser «gesunder Menschen-verstand» kann das nicht nachvollziehen. Wir fühlen uns entweder belästigt oder beginnen zu lachen. Die Vorstellung, unser Erdball, das Sonnensystem, alle Galaxien, die gesamte Masse des Universums sei einem Punkt ohne Ausdehnung entsprungen, ist so verrückt, dass wir unsere Hirnzellen entweder per radikaler Verdrängung entlasten oder mit Hilfe unseres Lachventils vom Oberdruck befreien müssen. Das Bewusstsein von der Absurdität des Daseins war bis zur Aufklärung intakt. Dann hat «der Intellekt sich [ ... ] in den Sessel gesetzt, auf dem der Geist einst thronte» (C.G. Jung). Die Lage ist ernst, aber das Lachen kann abhelfen. Es ist rezeptfrei und gratis. Zusammen mit dem Ernst bildet es ein Paar wie Mann und Frau oder links und rechts. «Schreib mal was Intelligentes», sagte kürzlich einer zu mir. Ich fragte mich: Was ist intelligent, wirklich und wahrhaft intelligent? Jeder hält sich für intelligent, dachte ich. Mir ist jedenfalls noch keiner begegnet, der gesagt hätte: « Darf ich mich vorstellen, ich bin ein Kretin?» Kann ich die Frage nach meiner eigenen Intelligenz vielleicht von meiner Herkunft aus beantworten? Mein Vater war ein Trottel, sein Vater, mein Großvater, ebenfalls. Auf der Mutterseite steht es nicht besser. Einer ihrer Brüder, mein Onkel Hermann, hat das Vögeliwohl erfunden, eine Scharlatan-Mixtur zur Steigerung des Wohlbefindens, und ein anderer, Onkel Georg, war gerade dabei, die rutschfeste Bodenwichse zu erfinden, als ihm das Labor um die Ohren flog. Kann aus einem solchen Blutgemisch Intelligenz entstehen? Das ist die Frage. Die Antwort kennt nur der Wind. Vielleicht benötigen nur Trottel das Wort Intelligenz. Vielleicht ist jener ein Idiot, der sagte, ich solle was Intelligentes schreiben, «ein intellektueller Fanatiker der Kategorisierung und Knochenmann der Normiererei, die Ver-körperung des Unlebens, ohne Sinn für die Gegenströmung der ursprünglichen, alles sprengenden, sich aller Normierung wieder-setzenden Lebenskraft» (Verzár). Wenn vor langer Zeit die Space Cowboys tatsächlich die Null umgekehrt haben und seither links rechts, rechts links, unten oben und oben unten ist, wurde auch aus der Intelligenz der Schwachsinn und umgekehrt. Das Beste ist also wohl, wenn ich weitermache wie bisher und mich dem Sog der Trottel widersetze. Zudem, was soll ich mit Intelligenz, wenn es das Lachen gibt?

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