Wie die Welt lacht

Waltraud Wende (Hrsg.)

Wie die Welt lacht Lachkulturen im Vergleich

Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2008

ISBN 978-3-8260-3592-0

349 Seiten

 

 

Lachen kann als eine Form der Kommunikation gedacht werden: Über was, wie und mit wem Menschen lachen ist das Resultat eines Kommunikationsprozesses, und es ist damit auch das Resultat einer vorausgegangenen voraussetzungsreichen Interpretationsleistung .. Damit dies leichter fällt, hat die Literaturwissenschaftlerin Waltraud Wende Autorinnen und Autoren um sich versammelt, die Perspektiven des Lachens eröffnen. So schreibt die Medienwissenschaftlerin Angela Krewani über die Absurdität der Normalität: Englischer Humor . Der Amerikanist Werner Reinhart denkt nach über subversives Gelächter als erzählerische Strategie: Vier Beispielanalysen zum US-amerikanischen Humor . Der Kulturwissenschaftler Rainer Stollmann macht sich Gedanken über die Lust des Lachens und die kitzligste Stelle der Bundesrepublik . Die Ironie als Lebensform betrachtet der Literaturwissenschaftler Ralf Schnell. Für ihn ist die Ironie der Versuch, inmitten genereller Unwägbarkeiten und Geschichte und Politik, gesellschaftlichen und privaten Lebens, Erkenntnismöglichkeiten und Erkenntnisgrenzen Ernsthaftigkeit mit Unbefangenheit zu paaren, Freiräume zu bilden, die Spielräume schaffen, Fragen zu stellen und Antworten zu suchen und auf dem Recht auf Irrtum zu bestehen .

Weniger theoretisch, vielmehr aus dem Alltag schöpfend sind die Aufsätze geprägt, die das mediale Lachen zur Sprache bringen. Der Medienwissenschaftler Knut Hickethier schreibt beispielsweise über das Thema Vom Fernsehkabarett zur Tele-Comedy . Er meint: Fernsehen betreibt in einem Funktionsgemisch eine Befriedigung der Gesellschaft, stiftet durch die Vielfalt seiner Erzählungen, wie die Welt beschaffen ist, Sinn und spendet den in den Modernisierungsprozessen zu kurz Gekommenen Trost. Und es bietet durch Comedy-Angebote auch die Perspektive, die als sinnlos erfahrene Welt durch Unsinn ertragbar zu machen. Der Kommunikationswissenschaftler Siegfried J. Schmidt sinniert über die unfreiwillige Komik der Komikforschung . Er spitzt zu: Das mit Lachen quittierte Komische ist ein affirmativer Ausbruch aus der trügerischen Sicherheit unserer Lebenswelt, ein friedlicher Aufruhr gegen die scheinbaren Selbstverständlichkeiten in Natur und Kultur, ein Training für den Möglichkeitssinn. Komik ist nicht schematisierte episodische Kontingenzbearbeitung.

Die Inhalte des Buchs Wie die Welt lacht sind sehr dicht. Die Lektüre ist jedoch anregend genau deshalb, weil es inhaltlich Lücken beschreibt, wo sich in der Gegenwart Menschen Gedanken über Humor und Komik, Lachen und Ironie machen.

Christoph Müller


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