Ungeschminkte Wahrheiten

Carlos Martinez

Ungeschminkte Wahrheiten Aus der Garderobe des Lebens

Aussaat Verlag, Neunkirchen-Vluyn 2009

ISBN 978-3-7615-5729-7

127 Seiten

 

 

Wenn ein Schauspieler in seiner Umkleide sitzt, er vor dem Spiegel sich für die Bühne zurechtmacht dies sind einsame Momente. Es sind einsame Momente, die viel Nachdenklichkeiten in sich bergen. Es sind Momente, wo der Künstler über sich, über das Leben, über seine Arbeit nachdenkt. Es sind Momente einer besonderen Aufmerksamkeit.

Diesen Eindruck vermittelt der Pantomime Carlos Martinez in seinem Buch Ungeschminkte Wahrheiten . Es ist ein Zeugnis dafür, dass der Schauspieler Carlos Martinez nicht nur danach drängt, hinter die Fassaden der Menschen und hinter die eigene Maske zu schauen. Das Buch Ungeschminkte Wahrheiten zeigt, mit welchen inneren Haltungen Martinez alltäglich den Weg auf die Bühne sucht. Es ist eine tiefe Sympathiebekundung gegenüber den Leben und der Kunst, die Martinez aufgeschrieben hat. Dabei möchte er wohl auch keine schlüssigen Wahrheiten an den Leser weitergeben.

In den vielen Gedanken, die sich in dem Buch Ungeschminkte Wahrheiten finden, bleibt viel Raum. Es bleibt viel Raum, sich selber zu positionieren. Es bleibt viel Raum, die Ideen von Martinez auf der Bühne und in der Garderobe auf das eigene Leben zu übertragen. Und genau dies ist ein großer Spaß, den das Buch Ungeschminkte Wahrheiten bereitet.

So schreibt er beispielsweise: Die Stücke mögen immer dieselben sein, das Publikum und die Art, wie es reagiert, nicht. Das ist Theater: nicht nur das, was sich auf der Bühne abspielt, sondern auch das, was im Zuschauerraum passiert. Und das Wichtigste: die einmalige Beziehung, die sich zwischen diesen beiden Räumen entwickelt. Wenn man solche Gedanken liest, wird einem deutlich, dass das Leben immer mit einer gewissen Offenheit gelebt werden muss, dass die Nachdenklichkeiten eines Pantomimen nicht der Ausdruck einer exklusiven Welt sind. Vielleicht kann man so weit gehen und die Behauptung in den Raum stellen, ob ein Buch wie die Ungeschminkten Wahrheiten eine Weise der säkularen Meditation sind. Ein Gebet muss schließlich nicht gesprochen oder gedacht sein. Der Pantomime zeigt möglicherweise, dass Gebet auch gespielt werden kann.

Es zeigt sich auch, dass der Pantomime Carlos Martinez ein großes Vertrauen in seine Zeitgenossen hat, wenn er schreibt: Meine Maske ist neutral. Das ist ihre Identität. Darin gründet die Magie der Pantomime; jene, die es mir erlaubt, ein breites Spektrum an Gefühlen auf meine Maske zu projizieren, die die Zuschauer zu entschlüsseln und zu ergänzen wissen.

Während man das Buch Ungeschminkte Wahrheiten liest, erkennt man nicht nur die Magie der Pantomime und die Faszination der Maske. Man sieht nicht nur, dass in der einfachen Darstellung oft die Kraft und die Fülle des Lebens steckt. Vor allem sieht man, dass das Theater des Lebens von jedem mitgespielt wird. Und insofern ist da Buch Ungeschminkte Wahrheiten ein Stück Anleitung, in der Hektik der alltäglichen Bühne die Ruhe der Garderobe oder der Sekunden, die man noch hinter einem Vorhang hat, zu nutzen. Carlos Martinez hat eine besondere Faszination.

Christoph Müller


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