Mehrwert Glück

Johannes Wallacher

Mehrwert Glück - Plädoyer für menschengerechtes Wirtschaften

Herbig-Verlag, München 2011

ISBN 978-3-7766-2656-8

213 Seiten

 

 

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen der Ökonomie und dem Glück? Antworten auf diese Fragen, aber auch auf viele andere Fragen nach dem Miteinander von Wirtschaften und Glück versucht der Wirtschaftsethiker Johannes Wallacher zu geben. Und dies gelingt ihm in einer Weise, die das Lesen des Buches zu einem kurzweiligen Erlebnis macht.

Denn der Professor der Hochschule für Philosophie in München bemüht sich immer wieder, die Bedeutung für den Alltag herauszuarbeiten. "Wirtschaftstheorie mit Lebensbezug" nennt er es an einer Stelle. Für unverzichtbar hält er die die Beschäftigung der Wirtschaft mit dem Glück. So schreibt er: "Wenn nun die neuere empirische Wirtschaftsordnung eindeutige Belege für den Zusammenhang von Glück und Wirtschaft liefert, müssen sich die Wirtschaftstheorie, die Wirtschaftspolitik und die Wirtschaftsethik damit ebenso beschäftigen wie die Entscheidungsträger in der Wirtschaft. Alles andere wäre Ignoranz auf Kosten des menschlichen Wohlergehens."

In Zeiten, in denen nicht unbegründet kritisch auf die Wirtschafts-und Finanzwelt geschaut wird, sind die Gedanken des Wirtschaftsethikers Wallacher erfrischend. Wenn er beispielsweise schreibt, glückokonomische Erkenntnisse schafften einen Mehrwert, da sie eine neue Brille gäben, um auf das Wirtschaftsgeschehen zu schauen. Wörtlich: "Und zwar eine Brille, die den Blickwinkel weitet und schärft, um wichtige Dinge zu erkennen, die wirtschaftstheoretisch bisher nicht erfasst wurden ... Die Glücksforschung kann den Blick der Wirtschaftstheorie schärfen, indem man nun ... Erkenntnisse der Lebensqualität in den Fokus rückt, die vorher unbemerkt blieben."

In dem Kapitel "Wie glücklich Geld macht" arbeitet Wallacher heraus, dass die größere Lebenszufriedenheit der Menschen in wohlhabenderen Ländern kaum nur auf höherem Einkommen fuße, sondern von diversen Faktoren abhängig sei. "So spielen bei der Selbsteinschätzung des Wohlergehens .... Gesundheit, Bildung und die Verfasstheit von öffentlichen Institutionen sowie demokratische Beteiligungsrechte eine Rolle."

Der Wirtschaftsethiker Wallacher schenkt den zeitgenössischen Menschen ein großes Vertrauen, wenn er schreibt, dass die Lebenszufriedenheit nie absolut und isoliert bewertet werde. Die zeitgenössischen Menschen stellten die Lebenszufriedenheit immer in den Rahmen seiner bisherigen Lebenserfahrungen, zukünftigen Erwartungen und des sozialen Umfelds. Natürlich ist man versucht, während des Lesens die Einsichten Wallachers allzu sehr auf die leichte Schulter zu nehmen. Schließlich erscheinen seine Standpunkte allzu schlüssig. Doch beschleicht den Leser immer auch der Gedanke, wie wichtig es ist, dass bestimmte Einsichten einfach wieder einmal durchdacht und formuliert werden.

So nutzt Wallacher die Position des Wirtschaftsethikers, der quasi aus einer aufmerksamen Zuschauerposition auf die Welt schaut. Dies hat eine andere Bedeutung als wenn er quasi an der Arbeitsfront über den Wert der täglichen Arbeit schreibt. Wallacher meint: "Menschen sind jedoch keine Arbeitstiere, die durch extrinsische Prämien aller Art zu permanent höherer Leistung getrieben werden. Ein solches Getriebenwerden missachtet die Tatsache, dass viele Menschen aus einer bestimmten Tätigkeit unabhängig von ihrer Entlohnung um ihrer selbst willen schätzen. Die Glücksforschung bestätigt, wie gerade diese freiwillige Wertschätzung motiviert und die Arbeitszufriedenheit fördert ... Besonders sind vor allem jene Angestellten, die selbstbestimmt und eigenverantwortlich arbeiten können."

Wallachers Buch "Mehrwert Glück" lässt eine Stimme in einer Gesellschaft hören, wie sie nicht häufig zu hören ist. Und dies ist wichtig.

Christoph Müller


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