Langenscheidt Arzt-Deutsch/Deutsch-Arzt

Dr. med. Eckart von Hirschhausen

Langenscheidt Arzt Deutsch/Deutsch Arzt

Verlag Langenscheidt, München 2007

ISBN 978-3-468-73177-8

128 Seiten

 

 

Wer sich mit dem Mediziner und Kabarettisten Eckart von Hirschhausen beschäftigt, der weiß um die Tatsache, dass er einen gesunden Blick auf die eigene Profession wirft. Hirschhausen ist ein Garant dafür, dass die Medizin und ihre Repräsentanten mit einem realistischen Selbstverständnis auftreten, dass sich fernab der Götter in Weiss bewegt.

Wer dies nicht glaubt, dem beweist Hischhausen mit seinem Wörterbuch Deutsch Arzt * Arzt Deutsch das Gegenteil. Hirschhausen ist sich durchaus der Tatsache bewusst, möglicherweise den Zorn der Berufskolleginnen und Berufskollegen auf sich zu ziehen. Dies hält ihn jedoch nicht davon ab, weiterhin unkonventionell zu denken und zu agieren. Dieses Buch erklärt nicht nur Wörter, sondern auch die wichtigsten nonverbalen Signale wie Kittel, Wartezeiten und disziplinarische Einläufe. Die Erläuterungen sind nicht immer wörtlich, sondern sinngemäß. Manchmal sind sie auch unsinngemäß. Den Unterschied finden Sie heraus. Das, was am unsinnigsten klingt, ist echt; darauf können Sie sich verlassen.

Beispielsweise empfiehlt Hirschhausen, im Regal eines Hausarztes nachzuschauen, welche Auflage des medizinischen Wörterbuch Pschyrembel dort steht. Aktuell sei die 260. Auflage. Sollte dessen Exemplar allzu alt erscheint, rät er dem aufmerksamen Patienten, danach zu fragen, ob der Mediziner Robert Koch noch persönlich erlebt habe. Für den Alltag gibt er den Hinweis: Als Mann sollte man den Blick auf den Glutaeus maximus einer Frau nicht allzu auffällig gestalten, sonst den beide: Was für ein Arsch.

Es ist nicht nur die Grandiosität medizinischen Personals, die Hirschhausen in Frage stellt. Bei der Betrachtung der Seelenkunde bekommen unter anderem auch die Psychotherapeuten ihr Fett weg. Hirschhausen stellt fest, was in der Psychotherapie tatsächlich wirkt, ist nicht die theoretische Ausrichtung des Therapeuten, sondern seine Ausstrahlung . Ein Witz macht plastisch, worum es in der Seelenbehandlung geht.
Über die Notwendigkeit einer Therapie entscheidet allein der Leidensdruck. Arzt: Leiden Sie unter sexuellen Fantasien? Patient: Nein, ich genieße sie!

So ist keine Gruppe im medizinischen Kontext vor den kritischen Blicken Hirschhausens sicher. Ob es die Pflegenden oder die Ärzte sind, ob es die Anästhesie oder die Chirurgie sind, Hirschhausen legt so manche Wunde im medizinischen Alltag frei. Was er vor allem leistet, ist die Tatsache, die Welt nicht allzu sehr um sich kreisen zu lassen. Wenn alle Mediziner wären wie ein Eckart von Hirschhausen, sähe es in der medizinischen Welt wahrscheinlich anders aus. Mit ernsten Gesichtern lässt es sich nicht so sehr gesund werden.

Deshalb gehört das letzte Wort Hirschhausen selbst: Ist Lachen die beste Medizin? ... Ohne viel von Statistik zu verstehen: Die Tendenz ist eindeutig. Wer lacht, lebt länger. Man kann Humor nicht als Tablette einnehmen, nur als Haltung. Es wäre als Medikament gar nicht zugelassen: zu viele Nebenwirkungen. Weniger Herzinfarkte, weniger Infektionen und noch dazu ein gutes Schmerzmittel.

Christoph Müller, Andernach


(C) 2013 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken