Die heilende Kraft des Lachens

Michael Titze

Die heilende Kraft des Lachens Mit therapeutischem Humor frühe Beschämungen heilen

Kösel-Verlag, München 1995 / 2001

ISBN 3-466-30390

367 Seiten, 21,95 Euro

 

Sich mit einem Standardwerk in der Humorszene auseinanderzusetzen, erscheint einem als große Aufgabe. Die Frage steht im Raum, inwieweit man als Rezensent dem Buch und dem Autor gerecht wird. Denn die Tatsache, dass ein Buch bereits in der vierten Auflage erscheint, spricht für sich.

Michael Titze hat mit der heilenden Kraft des Lachens ein Buch vorgelegt, das für jeden eine Unterstützung ist. Die Scham steht im Zentrum seiner Betrachtungen. Vom Pinocchio-Komplex schreibt der Psychotherapeut, wenn beschämende Erfahrungen zu Selbstwertstörungen führen.

Mit dem therapeutischen Humor bietet Titze eine Alternative an. Wer sein Selbstbild durch den Humor ändern wolle, werde einen Weg finden müssen, der aus den Zwängen eines verabsolutierenden Man-muss-Denkens hinausführe. Die relativierende Kraft des Humors vermöge den bedrohlichen Moloch Ernst des Lebens auf die Winzigkeit des Hier und Jetzt schrumpfen zu lassen, meint Titze.

Titze ermuntert den Leser, in andere Rollen zu schlüpfen. So sieht er den Schelm als Grenzgänger und Gegenteiler . Der Spaßmacher bringe nicht nur seine Mitmenschen zum Lachen, sondern verunsichere mitunter auch. Der Schelm sei ein Grenzgänger, eine Figur, die geradewegs aus dem Rahmen fällt. Der Schelm sei eine feste Institution in allen Kulturen gewesen. Er sei Kind und Heiliger zugleich, so Titze.

Wer in einer Lebensphase ist, in der er viel über sich nachdenkt oder gar Erziehungsaufgaben wahrzunehmen hat, wird der Leser viel Überlegenswertes finden. Wenn sich Kinder und Jugendliche über die normativen Barrieren d er Erwachsenenwelt lachend hinwegsetzen, erleben sie eine affektive Selbststeigerung, die gegen die Scham immunisierend wirkt. Es ist kein bloßer Ausdruck naiver Unreife oder gar Dummheit, wenn sich Jugendliche danebenbenehmen, wenn sie Streiche aushecken oder Unsinn im Kopf haben. Vielleicht ist es gerade das Wissen um die in der Erwachsenenwelt festgesetzten Schamgrenzen, welches zum rebellischen Aufbegehren reizt und dabei ein Lachen anregt, das im wahrsten Sinne des Wortes befreiende ist , schreibt Titze.

Wie nicht anders zu erwarten, wagt Titze ein Plädoyer für den therapeutischen Humor. Psychotherapie könne so zu einem Fest des Lebens werden. Das unverletzte Kind im Klienten sei voller Lebenslust und kreativer Phantasie.

Wagen Sie, ein Stück des Weges mit Michael Titze zu gehen.

Christoph Müller, Walsrode
 


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