Interview mit Konstantin Wecker

Konstantin Wecker, welche Bedeutung spielt der Humor in Ihrem Leben?

Ich habe das Gefühl, dass zum Beispiel Freundschaften ohne Humor nicht funktionieren. Nach fast sechzig Jahren Leben merke ich, dass ich am besten mit denjenigen Menschen ausgekommen bin, die mit mir zusammen lachen können. Der Humor ermöglicht das Aussteigen aus der Wirklichkeit. Im Moment des Lachens ist die Realität „ver-rückt„, das heißt sie stellt sich in andere Zusammenhänge und das kann lustig sein und die Seele erheben.
Humor hat für mich nichts mit Comedy zu tun. Es geht nicht darum sich über andere lustig machen, sondern um das „sich selbst völlig in Frage stellen„, um das Loslassen von einem festen Bild.

„Loslassen„ ist auch das Thema des nächsten Kongresses im Hospitalhof Stuttgart, an dem Sie als Referent teilnehmen. Wie hängt der Moment des „Loslassens„ Ihrer Ansicht nach mit dem Humor zusammen?

„Loslassen„ ist eines meiner Hauptthemen, das mich in den vergangenen Jahren beschäftigt hat. Für mich hat dieses Thema deshalb auch mit der Suche nach dem Glück zu tun. Meine intensive Biografie hat mir gezeigt, dass alles was ich bisher gemacht habe, der Versuch war zu dem Moment des „Loslassens„ zu gelangen. Ob es nun durch Drogen oder durch andere exzessive Erlebnisse war. Ich habe herausgefunden: der Humor kann uns diesen Moment schenken.

Kann Humor deshalb vielleicht auch Krankheiten lindern?

Ja, denn Lachen ermöglicht uns jene seltenen Augenblicke des Nichtdenkens, die wir auch vom Liebe machen kennen und die ich als Musiker auch beim Improvisieren in der Musik erlebe. Das sind Momente, in denen wir einfach glücklich sind. Ich beschreibe sie auch in meinem Lied „Einfach wieder schlendern„. Der Song handelt davon, dass das Denken nicht mehr die Herrschaft über uns hat und wir loslassen können.

Sie sind Ehrenmitglied bei den Münchner Klinik-Clowns. Warum?

Ich bin Pate der Klinik-Clowns, denn ihre Arbeit hat mich überzeugt. Sie schaffen es, ein Leuchten in den Augen von schwerkranken Menschen zu erzeugen, obwohl diese eigentlich keinen Grund zur Freude haben. Ich habe zusammen mit den Klinik-Clowns eine CD gemacht. Ab und zu bin ich dabei, wenn sie die Songs aus meinen Kinderstücken aufführen. Dann singe ich ein paar Titel mit.

Die Fragen stellte Miriam Titze