Einen interessante Kombination von Vorträgen erwartet einen in der letzten Juliwoche in den Gefilden der Psychiatrie in Tübingen. Humorforscher waren hier zu Gast. Hoch gelegen über der Altstadt wurde also eine Woche gelacht über humorvolle Menschen und ernsthaft Erforschtes über den Humor referiert - ob als Doktorand, der in das Forschungsthema Humor einsteigt oder als langjähriger Forscher. Die Summer School hat sich als Plattform etabliert, auf der man sich einen Überblick verschaffen, Anregungen bekommen und Inhaltliches diskutieren kann. Fundiert berichten Psychologen, Psychiater, Philosophen und Linguisten über ihre Arbeit. Willibald Ruch, Psychologe an der Uni Zürich und einer der fleißigsten Humorforscher im Moment, stellt Struktur und Typologie des Lachens vor. Ob Inkongruenz-Theorien aus dem linguistischen Bereich, Cartoon-Humor oder Methodikprobleme in der Humorforschung, jeder konnte sich das anhören, was für seine eigene Arbeit relevant war. Für mich als Trainerin und Medizinerin waren das vor allem die Forschungsergebnisse zum Thema Humor und Schmerzreduzierung, aber auch der Pilotstudie zu Humor und Gesundheit in Bezug auf psychische Krankheiten, speziell Depression. Endlich bewegt sich etwas in der klinisch relevanten Forschung neben der immer besser werdenden Grundlagenforschung zu Humor, Lächeln und Lachen. Interessant war auch, dass von der Ausbildung der Klinikclowns berichtet wurde.
John Morreall, Vorsitzender der International Society of Humor Studies und Philosophie-professor gab außerdem einen Einblick in seine Form von Humortraining, das er in Amerika bei vielen Firmen erfolgreich positioniert hat. IBM, Kodak, Disney und Xerox sind zum Beispiel die Glücklichen, die sich dem humorvollen Perspektivwechsel mit ihm unterziehen konnten. Bei Morreall konnte man viele Anregungen für die eigene Rhetorik und den Methodenkoffer bekommen. Liebe Trainerkollegen: wir machen zwar schon verdammt gute Arbeit, aber es gibt noch reichlich zu tun in deutschen Firmengefilden!
Eckart von Hirschhausen, Kabarettist und ebenfalls Humortrainer zeigte bei seinem Vortrag über den deutschen Sinn für Humor, dass auch wir bereits eine Bandbreite an humorvoller Kunst zu bieten haben. Wir müssen Humor nicht neu unterrichten, sondern ihn einfach verstärkt zulassen, ihn für wichtig halten und darauf achten, dass wir unsere tägliche Dosis bekommen.
Zur nächsten Tagung trifft man sich in einem Jahr in Fribourg in der Schweiz. Neue Forschungsergebnisse dürften dann präsentiert werden. Und wieder einmal wird die Summer School den Rahmen bieten, sich mit dem Thema Humor auf hohem Niveau auseinander zu setzen sowie Fachleute und tolle Praktiker kennen zu lernen. Ob man Humor in tägliche Arbeitsabläufe integrieren möchte oder positive Wirkungen der Humor- Intervention sucht: hier ist die richtige Plattform dafür.
E-mail: andrea.samson@unifr.ch
Prof. Dr. Willibald Ruch
E-mail: w.ruch@psychologie.unizh.ch
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Magazin Ausgabe 1 - Oktober 2005
International summer school of humor and laughter