Literatur und Psychoanalyse über das Lachen
Wolfram Mauser / Joachim Pfeiffer: Lachen – Jahrbuch für Literatur und Psychoanalyse 2006
Freiburger literaturpsycholgische Gespräche Band 25,
Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2006,
ISBN 978-3-8260-3319-1,
346 Seiten, Euro.
Wer es wagt, das Jahrbuch für Literatur und Psychoanalyse aus dem Jahre 2006 in die Hand zu nehmen, der macht geradezu Schritte, wie sie dem Schaffen eines Archäologen naheliegen. Denn es ist nicht nur so, dass „Lachen in seinen vielfältigen Erscheinungs-und Ausdrucksformen … ein konstitutives Element vieler literarischer Werke“ ist. Vielmehr suchen die Autorinnen und Autoren aus Literatur und Psychoanalyse in literarischen Werken der Vergangenheit und der Gegenwart nach kleinsten Spuren des Lächelns und der Heiterkeit.
Mit dem Blick auf das Buch „Das Fest der Narren“ von H. Cox macht der Psychoanalytiker Thomas Auchter eine Spurensuche in die Richtung, ob das Gelächter der Hoffnung letzte Waffe sei. Auchter ist nicht nur der Überzeugung, dass der humorvolle Mensch in der Lage sei, „ sich einer resigierenden Betroffenheit zu entziehen, das Betroffenmachende in einem Akt der inneren Überwindung so zu behandeln, als ob es nichtig wäre“. Auchter unterstreicht in seinem Beitrag, dass gerade Clowns, Schauspieler und literarische Figuren autorisiert seien, die Zeitgenossen mit der Wahrheit zu konfrontieren. Wörtlich: „Sie halten uns den Narrenspiegel vor, bisweilen auch einen Zerrspiegel, der die Dinge so vergrössert oder verkleinert oder verschärft, dass wir schliesslich nicht mehr daran vorbeisehen können.“ Magendrücken verursacht jedoch die Auchtersche Andeutung, die Psychoanalytiker als die Clowns und die Narren der Gegenwart zu beschreiben.
Dass Lachen und Humor viel mit menschlichen Reifungsprozessen zu tun hat, wird am Aufsatz „Närrische Verstörung, skeptische Aussöhnung – Komik und Lachen am Beispiel von Shakspeares Was ihr wollt“ klar. Denn in seinem Fazit formuliert der Anglist Horst Breuer: „Der wahre Humor, so darf … festgestellt werden – also die Haltung, dergemäss das Subjekt das Lächerliche nicht bloss an seiner Umgebung wahrnimmt, sondern auch sich selbst in seinem Tun und Wünschen komisch zu sehen vermag -, dieser reife Sinn für Komik ist also so etwas wie der durch einen kathartischen Prozess gegangene Humor. Er hat Krisen durchlaufen und sich wieder zu festigen vermocht, er hat die Gedächtnisspuren des eigenen Scheiterns, der eigenen Ungeschütztheit dem Vergessen entrissen und sich ihnen gestellt … Die humoristische Einstellung bleibt offen für Gestaltwandel und weitere Wechselfälle. Sie ist versöhnlich, aber ihre Pointe ist nie endgültig. Ihr Lachen ist nur ein kurzes Innehalten in einer ständigen Bewegung zwischen Selbstzweifel und Selbstbehauptung.“
Das Jahrbuch für Literatur und Psychoanalyse mit dem Thema Lachen ist einmal ein anderer Zugang zu Humor und Komik. Es eröffnet vielleicht auch der den Literaturwissenschaftlern neue Wege des Nachdenkens. Es ist der Beitrag „Ovids Ars Ridendi“ der Philologin Christine Walde oder der Aufsatz „Über das Lachen in der zerbrochene Krug von Heinrich von Kleist“der Germanistin Annegret Mahler-Bungers, die neue Möglichkeiten zeigen. Das Lachen und der Humor hat überall seinen Platz und seine Funktion. Und das ist gut so.
Christoph Müller
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