Harald – Alexander Korp: Lachende Propheten – Witz und Humor in den Religionen
Humorcare Deutschland Verlag, München 2008
ISBN 978-3-00-026600-3
131 Seiten, Euro.
„Was, wenn Jesus nicht gekreuzigt, sondern im See Genezareth ertränkt worden wäre ? Dann würden in den Kirchen Aquarien stehen, und die Menschen kleine Aquarien um den Hals tragen !“ Genauso unvorstellbar wie dieser Witz aus dem Buch des Religionswissenschaftlers Harald-Alexander Korp erscheint, genauso absurd ist in der Gegenwart häufig die Vorstellung von Witz und Humor in den Religionen. Da ist es gut, dass es Wissenschaftler wie Harald Alexander Korp gibt. Denn mit einer amüsierten Spürnase sucht er nach dem Verborgenen im Transzendenten. Und das vorliegende Buch ist ein kleiner Beweis dafür, dass es genug zu entdecken gibt. Nicht umsonst präsentiert Korp schon in seinem Vorwort mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen.
Gemäss seiner wissenschaftlichen Ausbildung macht Korp einen fröhlichen Spaziergang durch die fünf grossen Weltreligionen und schliesst ab mit einem wohlfeilen Blick auf interreligiöse Witze. Es wirkt in gewisser Weise absurd, den Witz und den Humor als einendes Band der Religionen zu verstehen. Doch Korp setzt genau auf diese Form der gemeinsamen Verständigung bei aller Unterschiedlichkeit. In Anlehnung an den Theologen Peter L. Berger versteht Korp die „Komik als Signal des Transzendenten“, „da das Transzendente immer nur in Widersprüchen formuliert werden kann, trägt es sozusagen auch die Komik in sich“. Als er darüber nachdenkt, dass Humor Perspektiv-wechsel im Alltag ermöglicht, formuliert Korp zurecht: „Durch den Humor habe ich eine Möglichkeit, die Welt und mich zu akzeptieren. Die Welt annehmen zu können, wie sie ist. Zweifel wird Raum gegeben. Humor bedeutet also auch die Möglichkeit von Einsicht und Erkenntnisgewinn.“
Dass Korp das Lachen in einen engen Zusammenhang zu Spiritualität und Hingabe stellt, macht ihn sympathisch. Es ist nicht nur eine neue Sicht auf die Dinge. Vielmehr hat der Leser die Möglichkeit, seine eigenen Zugangsweisen einmal zu reflektieren. Die Konfessionen und Religionen können nur davon profitieren, wenn es Theologen und Religionswissenschaftler wie Harald-Alexander Korp gibt. Oder gibt es eine grosse Zahl von Theologen und Religionswissenschaftlern, die formulieren: „Für mich persönlich bietet Lachen eine Form der Hingabe, eine Möglichkeit, die innere Freude zu entdecken, einen Kontakt zu einer letzten Wirklichkeit herzustellen und dadurch Freude und Trost zu erfahren. Der Humor dient dazu, mich mit Widersprüchen zu versöhnen, die ich nicht auflösen kann, wie zum Beispiel in diese Welt geworfen zu sein und leben zu wollen, gleichzeitig aber sterben zu müssen ... Ein Schwingen zwischen Hingabe und Distanz: Sich dem Lachen hinzugeben, mit Humor annehmen, was nicht zu ändern ist und sich trotzdem mit dem Witz eine kritische Distanz zu bewahren.“
Wenn man das Buch „Lachende Propheten“ des Religionswissenschaftlers Harald-Alexander Korp in die Hand nimmt, macht man sich auf Wege, die abwegig und fremd erscheinen. Doch eines ist klar: der Weg lohnt sich.
Christoph Müller