Führen mit Humor
Gerhard Schwarz: Führen mit Humor – Ein gruppendynamisches Erfolgsrezept,
Gabler-Verlag, Wiesbaden 2008,
ISBN 978-3-8349-0815,
220 Seiten, 32.90 Euro.
Was das Buch „Führen mit Humor“ des Philosophen und Organisationsberaters Gerhard Schwarz zu einem Vergnügen macht, ist nicht nur der kurzweilige Schreibstil. Es ist auch die lange erprobte Praxisorientierung, die um so manchen Fallstrick weiss. Und Schwarz scheut sich auch nicht, klare Standpunkte einzunehmen, wenn er den Humor zum erfolgreichsten Instrument für Führungsinterventionen erklärt.
Was selten zu lesen und zu hören ist, ist eine sachliche Thematisierung des Zynismus. Als zynisch werde eine Aussage immer dann empfunden, wenn sie zeige, dass auch das Gegenteil wahr sein könne. Schwarz formuliert: „Wenn es stimmt, was Laotse sagt, dass nämlich viele Wahrheiten in sich widersprüchlich sind und daher über zwei Seiten verfügen, die nur zusammen wahr sind, dann ist es verständlich, dass wir mit unserer Logik in vielen konkreten Situationen nur eine Seite bemerken und bevorzugen. Die zweite Seite wird vernachlässigt, verdrängt oder unterdrückt. Zynismus heisst, diese zweite Seite wieder sichtbar zu machen. Meist braucht man die ganze Wahrheit mitsamt ihren Widersprüchen, um richtige Entscheidungen treffen zu können.“ Schwarz wagt sich argumentativ noch weiter vor, wenn er unterstreicht, wenn Beratung oder Führung am Erfolg gemessen werde, „und zwar am Erfolg in fast aussichtslosen Konfliktsituationen, dann kämen sie nicht ohne Zynismus aus.
Schwarz beschreibt im Buch „Führen mit Humor“ erstmal seine grundsätzlichen Positionen zum Komischen und den Formen des Komischen, bevor er den „Humor als Führungs-und Interventionsinstrument“ erklärt. Auch bei der Vorstellung des „Humor als Führungs-und Interventionsinstrument“ geht der Organisationsberater Schwarz den Weg vom Grundsätzlichen zum Konkreten und zur praktischen Anwendung. Zum Abschluss macht Schwarz einen Ausflug in Mythologie, Religion und Literatur. Im Rahmen dieses Ausflugs finden sich Kapitel wie „Gott und die Welt oder Transzendenz und Komik“.
Wenn Schwarz den Humor in Gruppen bzw. Arbeitsgruppen bespricht, ermuntert er zur Eigenleistung, insbesondere zur „heiteren Betrachtung einer Feindgruppe, über deren Marotten man sich lustig macht“. Von Projektionen schreibt Schwarz, die übernommen werden sollten. Wörtlich: „Die Führungsleistung besteht hierbei gar nicht so sehr darin, selbst mit guten Pointen oder Witzen die Gruppe zum Lachen zu bringen, sondern eher die Mitglieder der Gruppe zu ermuntern, sich zu trauen, selbst etwas zur Heiterkeit beizutragen. Gewonnen hat man selbst in einer Gruppe Zielscheibe des Spotts oder zumindest lustiger Bemerkungen zu sein.“
Vielen Unternehmen und ihren Mitarbeitenden ist eine solche Reife zu wünschen. Schliesslich würde dies viel persönliches Leid und betriebswirtschaftliche Kosten senken. Was jedoch als Erinnerung in viele Betriebe gehört, ist ein weiterer Gedanke von Schwarz: „Wahrscheinlich ist der Humor ein Training dafür, eine Situation zu erleben und gleichzeitig zu reflektieren. Hier kommen dann die göttliche Geistbestimmung und das irdische Leben in eines zusammen.“
Christoph Müller
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