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Alfred Kirchmayr: Witz und Humor - Vitamine einer

Alfred Kirchmayr: Witz und Humor – Vitamine einer erotischen Kultur, Verlag Edition Va Bene, Klosterneuburg 2006, ISBN 978-3-85167-185-6, 247 Seiten, 24.80 Euro.

Wenn sich der Theologe, Psychologe und Soziologe Alfred Kirchmayr als Witzlandschaftspfleger bezeichnet, wird der aufmerksame Leser hellhörig. Denn eine solche Bezeichnung mit Leben zu füllen, dies bedeutet schon etwas. Doch Kirchmayr enttäuscht nicht. Denn sein Buch „Witz und Humor – Vitamine einer erotischen Kultur“ liest man mit wachsender Begeisterung. Denn Kirchmayr vermag es, den Leser mitzureißen. Es ist nicht nur eine intellektuelle Expedition in die Landschaft von Witz und Humor, von Psychotherapie und Psychoanalyse, sondern vor allem ein Dokument menschlicher Tiefsinnigkeit.

Dies wird schon an der Stelle deutlich, an der Kirchmayr den Humor zu definieren versucht. „Humor bezeichnet eine seelische Grundhaltung heiterer Gelassenheit, in welcher der Mensch die Gegebenheiten seines Lebens gleichsam beruhigt von einer höheren Warte aus betrachten kann. Echter Humor entsteht aus einer Mischung von warmer Anteilnahme und heiterer Distanz und wird von Wohlwollen und Sympathie genährt.“

Im Kapitel, das sich mit dem politischen Witz beschäftigt, beschreibt Kirchmayr, dass Witz enthüllt, was Ideologien verbergen. „Der Witz fördert unsere beiden wichtigsten Sinne: den Wirklichkeitssinn nüchterner Analyse und Wahrnehmung, und den Möglichkeitssinn, der mit Träumen von einem besseren Leben verbunden ist und weit in die utopische Zukunft reicht.“

Breiten Raum nimmt in den Ausführungen Kirchmayrs der sexuell gefärbte Witz ein und jener Humor, der aus den Erfahrungen von Partnerschaft gespeist ist. Gerade in der Bearbeitung dieser Themen wird deutlich, dass Kirchmayr sich als Psychoanalytiker versteht. In diesen Kapiteln dokumentiert er jedoch auch die –negative wie positive – Lebendigkeit, die Witz und Humor entfalten. Kirchmayr lässt natürlich keine kritischen Worte fehlen. Viele Ehen würden nicht so tödlich, todlangweilig und frustrationsreich verlaufen oder in Scheidung enden, wenn die Betroffenen lernen könnten, gelassener und humorvoller mit sich und dem Partner umzugehen. Das verlangt aber einen Prozess des Reifens und der psychischen Fitness, der zuwenig beachtet, geachtet und gefördert wird.“ Kirchmayr beschreibt gleichfalls den Charakter von Witzen und Humor. Die Witze über Partnerschaft und Sexualität hätten sehr unterschiedliche Funktionen. Problemanzeiger seien sie immer. Oft dienten sie der psychohygienisch wirkenden Äußerung von starken Affekten. Häufig dienten sie auch als Waffe oder als Notwehr gegen Unrecht, so Kirchmayr. Beeindruckend ist in diesem Zusammenhang die große Zahl der Witze, die Kirchmayr gesammelt hat. Für den Leser eine bunte Fundgrube.

Sagt er: Ich verstehe nicht, weshalb Du einen BH trägst. Du hast doch nichts, um ihn auszufüllen !“ – Sagt sie: „Wieso ? Du trägst ja auch eine Unterhose.“

Christoph Müller, Andernach